Zweimal im Jahr gebe ich für interessierte Kolleginnen und Kollegen einen Newsletter heraus, in dem ich wissenschaftliche Studien zum Thema Paartherapie vorstelle. Im Frühjahr 2026 stieß ich auf zwei Studien von einem fast identischen Forscherinnenteam, die sich mit Gary Chapmans Fünf Liebessprachen beschäftigten.

Was sind die fünf Sprachen der Liebe?

Die Liebessprachen oder „Love Languages“ kamen in den 1990er Jahren in Deutschland als Buch heraus und entwickelten sich schnell zum Bestseller in der Beziehungsliteratur. Chapman hatte als praktizierender Paarberater die Idee entwickelt, dass es ein Repertoire von fünf Liebessprachen gäbe, in denen wir Menschen uns gegenseitig Liebe ausdrücken. Diese Liebessprachen sind laut Chapman:

  • Lob und Anerkennung
  • Zweisamkeit – Zeit nur für Euch
  • Geschenke, die von Herzen kommen
  • Hilfsbereitschaft
  • Zärtlichkeit

Wie wirken die fünf Sprachen der Liebe?

Chapman vertritt die Ansicht, dass viele Paarprobleme dadurch entstehen, weil die Partner unterschiedlich ihre Liebe zueinander ausdrücken, weil jeder von uns eine primäre Liebessprache mitbringe. Obwohl es viel Kritik an diesem Konzept gibt, hat die Idee für den Einsatz in der Paartherapie ihren Charme. Fast jeder von uns kennt wohl Paare, wo dem einen Zärtlichkeit wichtiger ist als dem anderen. Oder ein Partner sticht durch besonders viel Hilfsbereitschaft („Acts of Services“) in der Beziehung hervor und verleiht seiner Liebe dadurch Ausdruck. Aber wenn dieser Ausdruck von Liebe bei der anderen Seite nicht ankommt, ist das oft frustrierend – auch das kennt wohl fast jeder. Das Konzept ist deshalb so beliebt und verbreitet, weil es sehr intuitiv nachvollziehbar und anwendbar ist. Wenn man Liebe ausdrücken möchte, muss man das in der Sprache tun, die das Gegenüber versteht.

Wie hat die Forschung Chapmans Ansätze weiterentwickelt?

Chapman schrieb diesen Bestseller aufgrund eigener Beobachtungen, aber nicht auf Basis empirischer Forschung. Und so überrascht es nicht, dass sich immer wieder Forschende mit dem Sinn oder Unsinn der Five Love Languages auseinandersetzen. Die Studie von Flicker et al. (2025) wählte einen empirisch sehr interessanten Ansatz, denn mit drei aufeinanderfolgenden Studien untersuchten sie, 1. was Menschen antworten, wenn man sie fragt, wie sie Liebe ausdrücken, 2. identifizierten sie Items und Skalen, die für Befragte besonders gut passten, und 3. untersuchten sie, wie gut diese neuen Items und Skalen die erlebte Beziehungsqualität, das Erleben von LIebe und Liebesunsicherheit erklären können.

Die Studie identifizierte 43 Items (=Fragen), die auf zehn Skalen zusammengefasst das Modell von Chapman um fünf Sprachen erweitern. Und das mit einer soliden empirischen Datenbasis. Die Stichprobengröße lag in den drei Studien zwischen 499 und 696 Teilnehmern.

Als praktizierender Paartherapeut stelle ich mir dann natürlich die Frage, wie solche Forschungsergebnisse in der Therapie genutzt werden können. Natürlich könnte ich einfach zu jeder Skala meine Klienten fragen: wie wichtig ist Ihnen dieser Ausdruck von Liebe? Aber noch spannender wird es, gezielt nach den Unterschieden innerhalb eines Paares zu suchen, denn an dieser Stelle entstehen ja die Missverständnisse.

Hier kam mir die Arbeit von Ulrich Clement (2004) in den Sinn. Er hat zwei wichtige Beobachtungen gemacht, die er später als Import-Export-Problem bezeichnete. Das Problem besteht aus zwei Kränkungen, die man sich in einer Partnerschaft einander zufügen kann: 1. Ich bekomme nicht das, was ich will. 2. Das, was ich geben möchte, wird nicht gewollt.

Wie ich diese Ansätze in einem Fragebogen für die Paartherapie integriert habe

Aus den Ergebnissen der Studie von Flicker et al. und Clement habe ich einen Fragebogen konstruiert, der zu jeder der zehn Love Languages auf einer Skala von 0 bis 10 abfragt: Wie zufrieden bin ich mit dem, was ich hier aktuell von meinem Partner erhalte? Wie sehr bemühe ich mich aktuell, dies meinem Partner aktiv zu geben? Welchen Wert auf der Skala bräuchte ich in diesem Bereich, um mich in der Beziehung wirklich geliebt und glücklich zu fühlen?

Diesen Fragebogen habe ich hier über Zenodo veröffentlicht, damit er von Kolleginnen und Kollegen in der Paartherapie vor Ort und in der Online-Paartherapie getestet werden kann. Es ist vorhersehbar, dass nicht alle Klienten sich in diesem Fragebogen wiederfinden werden. Außerdem muss bedacht werden, dass es sich um eine US-amerikanische Studie handelte, auf deren Grundlagen die Skalen abgeleitet wurden. Möglicherweise würde eine Studie im deutschen Sprachgebiet andere Skalen zutage fördern.

Der Fragebogen steht sowohl interessierten Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung, als auch Paaren, die in Eigenregie den Bruchstellen in ihrer Beziehung auf den Grund gehen wollen.

Autor: Dr. Philipp Riehm

Quellen:

Clement, U. (2004). Systemische Sexualtherapie. Clett-Cotta, Stuttgart.

Flicker, S. M., Sancier-Barbosa, F., Clemons-Castanos, C., Field, S., Jackson-Zambon, S., Phelan, M., & Impett, E. A. (2025). How Many Love Languages Are There? Examining Chapman’s Five Love Languages Using a Bottom-Up Approach. Journal of Marital and Family Therapy, 51(4), e70072. https://doi.org/10.1111/jmft.70072

Das Bild zeigt eine Hand, die einen Fragebogen mit drei Spalten ausfüllt. Der Fragebogen ähnelt dem Fragebogen, auf den sich der Text bezieht.
Der Fragebogen zum Erleben der Beziehungsqualität ist sowohl in der Paartherapie vor Ort, in der Online-Paartherapie und zu Hause einsetzbar. (Bildquelle: nano banana 2.0)